Kaum zu glauben, aber jaah, ich bin schon seit vier Tagen in Lettland.
Noch weniger zu glauben, dass ich noch eine ganze weile hier bleiben werde, aber darüber denk ich gar nicht nach. Nicht, dass ich noch Heimweh kriege...
Freitag Mittag bin ich hier nach relativ kurzem Flug aber ewig langem Aufenthalt in Frankfurt gut in Rigas Airport angekommen. Dort wurden wir (7 Deutsche) schon von 3 AFS Freiwilligen und den zwei Belgiern erwartet. Dann gabs erst mal was zu essen. Irgendso süßen Brötchenkram, eine Banane (ja in Lettland gibts Bananen) und was zu trinken. Dann haben wir noch auf einen Türken gewartet und sind dann mit dem Bus nach Riga gefahren.
Tjaah und dann waren wir in Riga.
Bild? Gerne doch :D :
| Es ist, finde ich, ein Mix aus der Ost-Berlin und dem Vietnam mit diesen ganzen Kabeln da. Dazu muss man aber sagen, dass es hier sogar Busse gibt, die mit Kabel fahren... |
Aber Riga kann auch echt schick und modern sein: Wir waren on the top
of einer achtstöckigen Shoppingmall und oben auf dem Dach war eine Bar
oder auch zwei, alles ganz neu und szenelike... Von dort oben hatte man
auch echt eine super Aussicht über Riga:
Mein Lieblingsbild:
Wenn ihr genau hinschaut ist da eine Lettlandflagge, links hinter dem Haus, wie auf echt vielen Häusern.
Dort oben entstanden übrigens auch unsre ersten Halbgruppenbilder, wunderschön:
Nach diesem Trip sind wir dann (naa, könnt ihr es euch schon denken??) essen gegangen! Und zwar in einem echt urigen Restaurant, aber ziemlich groß und es lief traditionelle lettische Musik. Es sah ein wenig so aus wie ein Mittelalterrestaurant in Deutschland. Aber nun genug der Lästereien! Es war echt lecker und die Volunteers meinten, das nicht jedes Restaurant so aussieht sonder auch eher so ein spezial Restaurant ist. Aber die Leute da liefen alle in ihren Trachten rum mit Haarschmuck und so weiter, das sah noch besser aus als ein Dirndel! Insgesamt hab ich halt den Eindruck, dass hier alles sehr bodenständig und ein wenig zurückgeblieben ist (Grüße an Melkhus Besucher aus Thüringen), aber sehr schön!
Es gibt hier verschiedene Trams: eine ganz alte Art, eine Moorexpress Art und eine, die dem Metronom gleichkommt, nur in pink und ein bisschen kleiner; für die Stadt halt. Auf jeden Fall ist die Tram hire sehr schnuckelig und die Straßen sind meistens auch nicht sehr voll. Dafür befindet sich in Riga ein Park, oder auch mehrere, aber an diesem einem steht auch eine kleine Bühne und eine sinkende-Titanik-Hüpfburg. Sogar eine Kinder-Autofahrenlern-Strecke. Ähnlich wie Autoscooter, nur einfach mitten durch den Park, ohne Strom und in richtigen kleinen Armeeallroundfahrzeugen mit dicken Reifen. Sehr niedlich. Bei diesem Park findet also eine Menge statt. Als wir vom Restaurant zurück gekommen sind, hielten allerlei Männer dort ein großes Schachturnier ab:
Der ganze Platz war voll mit Schachspielern und die beiden Männer dort untern führten ganz vertieft eine rasante Partie. Beide Uhren waren fast auf Null und kaum noch figuren auf dem Feld. Der Rechte spielte auf Zeit, während der andre ununterbrochen auf Angriff ging, das haben wir uns dann angeguckt. Als es dann am Ende schließlich unentschieden stand und sie die Figuren neu sortiert haben, haben uns gleich mal eines der größten Probleme Lettlands vor Augen geführt:
Eine der Volunteers hat sie auf lettisch angesprochen, um in Erfahrung zu bringen, wie das mit der Uhr jetzt genau funktioniert. Selbst nach dem dritten Versuch hat sie keine Antwort erhalten. Also hat sie es auf russisch probiert und auch tatsächlich eine recht uninformative und unfreundliche Erläuterung bekommen.
So läuft das hier also mit dem Problem zwischen Russen und Letten. Für alle die es nicht wissen: Lettland war seit dem zweiten Weltkrieg bis 1991 Teil der Sowjetunion. Jetzt gehört es allerdings nicht mehr zu Russland (!!), doch sprechen nur knapp 60% lettisch als Muttersprache, stattdessen aber knappe 40% russisch. Diese weigern sich nun manchmal lettisch zu lernen, oder selbst wenn sie es können, es zu sprechen, da sie meinen Lettland gehöre zu Russland oder irgendsowas. Kompliziert.
Aber der Tag war ja noch lange nicht vorbei: erst haben wir unsre schweren Koffer und Rucksäcke in den dritten Stock von Franks Hostel geschleppt. Die Treppen hättet ihr sehen müssen! Gefühlte 40cm breit und eine Stufe mindestens genau so hoch aber nur halb so tief. Also sehr steil und wir alle mit unsern dicken Taschen :D Unser zehner Mädchenzimmer mit defektem Klo und eiskalter Dusche. Aber direkt vor unserm Zimmer war ein Aufenthaltsbereich mit eingeschalteten Computern und wlan. Allerdings ist Facebook dann doch keine kurze Sache, wie erwartet, da man erstmal auf zich Bildern die Makierte Person identifizieren muss, um sich einloggen zu können...
Nachdem wir die Taschen abgestellt haben ging es dann aber auch schon wieder weiter zum Arrival Camp. Da die 12 Thais allerdings ihren Flug verpasst haben und die Nacht über in Helsinki verbringen mussten konnten wir nicht viel machen außer auf die 4 Italiener warten und natürlich zu essen! Ich weiß nicht mehr was es gab, aber es war lecker und in Styroporschachteln. Da hab ich glatt nochmal drei von verputzt ("You can eat the Thai ones too!"). Da auch die 3 Südamerikaner erst in der Nacht ankommen sollten haben wir also nicht viel andres gemacht außer geredet und gespielt. Und diese Bürowohnung, irgendwie sowas, hatte natürlich wlan. Also doch nicht so schlimm, dass ich nicht in Estland gelandet bin.
Auf dem Rückweg sind wir dann noch mal durch Riga gegangen und konnten dieses bekannte Gebäude fotografieren (ich glaub es ist das Rathaus...) :
| Isn't it beautiful?! |
Schlafen im Hostel ist ein Abenteur. Besonders wenn man im Stockbett oben schläft... Am nächsten Tag waren dann aber sowohl 2 Venezuelaner, ein Mexiko-Cityaner und 12 wirklich kleine Thailänder im Arrival Camp anzutreffen. Wir haben dann Papierkram gemacht und Vorträge gehört und gegessen! Wieder aus Styroporschachteln, zweimal, aber diesmal hab ich nicht so viel gegessen. Es gab nämlich die ganze Zeit super leckere Kekse! Weil alles auf Englisch ist und nur die Volunteers wirklich gut Englisch sprechen, war das alles ziemlich anstrengend und müde waren wir sowie so. Um so sehr waren wir alle ganz aufgeregt unsre Gastfamilien kennenzulernen und unser neues zu Hause kennen zu lernen. Zwischen vier und sechs Uhr trudelten dann die Familien ein und wir wurden einzelt aus dem großen Raum rausgerufen, haben dann eine kleine Sonnenblume in die Hand gedrückt bekommen und haben zum ersten Mal unsre Gastfamilien getroffen. Das lustigste dabei war, dass die Familie einer Thailänderin eine viel größere Sonnenblume mitgebracht hat und ihr neuer kleiner Bruder gab ihr die große im Tausch zur kleinen. Er ist etwa 3 Jahre alt und sah ziemlich perplex aus :D Soweit dazu, meine Gastfamilie kam um 20 vor 5, damit war ich die zweite Deutsche und insgesamt etwa unter den ersten zehn. Alle haben gehofft unter die letzten zehn zu kommen, um ganz viele Familien zu sehen. Naja was solls. Dafür war ich schon in einer Tankstelle, hab leider beim losziehen eine Niete gehabt und keine Freikarte für das lettische Hockeyteam gewonnen und in einem kleinen Supermarkt.
Dann endlich im neuen Heim. Echt cooles Haus! Wenn man ins haus reinkommt ist da erstmal eine große Halle über drei stockwerke. Es ist ein bisschen schwer zu erklären, es ist
halt so, dass das hier unten rechts mit einem Stockwerk anfängt, dann
geht es links in die Mitte und dann rechts wieder höher. Sind also quasi
2 einhalb Stockwerke und man kann alles von der Halle aus einsehen, das ist ziemlich cool! :D
Ich wohne in einem Vorort von Riga, mit ganz vielen gleichaussehenden Häusern und Wohnungen und vielen vielen Kindern. Wer ein Haus hat, hat eigentlich auch einen deutschen Schäferhund. Außer wir, wir haben eine Katze ohne Schwanz. Peach in Schwarz. Dafür ist das Haus grün.
Mein Gastvater ist wegen der Arbeit im Moment auf den Weg nach Frankreich, also wohne ich mit meiner Gastmutter und zwei von drei Schwestern alleine hier. Meine älteste Schwester ist um die 26, hat eine fast drei Jahre alte Tochter und wohnt nicht mehr zu Hause. Die beiden anderen Töchter schon, sie sind auch über zwanzig und arbeiten bzw. studieren. Aber eigentlich sind immer beide zu Hause, wegen Semesterferien oder schieß mich tot. Es ist normal hier, dass man mit mitte, ende 20 das erste Kind kriegt und sonst zu Hause wohnen bleibt, wenns nicht zu voll wird. Gestern haben wir einen Spaziergang durch mein Dorf hier gemacht, zu Verwandten. Verwandtschaft: sprich alle 8 Omas von X + Cousinen von Y + sämtliche Schwager + Urgroßneffen 45. Grades usw.. Also bei den 5 Verwandten die ich gestern kennengelernt hab, hab ich schon den Überblick verloren. Aber sie waren alle sehr nett und lustig. Auch wenn ich nicht verstanden habe, worüber sie die ganze Zeit geredet haben. Man konzentriert sich die ganze Zeit aufs lettische, um vielleicht was aufzuschnappen und dann ist man super überrascht wenn alle einen auf einmal angucken, weil anscheinend zuvor irgendwas auf englisch oder gebrochenem deutsch zu einem gesagt wurde. Auch mit lettisch wurde es von meiner Gastmutter probiert, aber man ist einfach nicht darauf gefasst angesprochen zu werden. Ich hoffe das wird noch besser und ich kann mein lettisch bis zum Schulanfang in einer Woche aufbessern. Aber da ich mittlerweile der 7. Austauschschüler in dieser Familie bin, glaube ich, dass sie wissen, wie sie mir ein bisschen helfen können. Gerade eben zum Beispiel hat meine Gastmom mir das größte Wörterbuch was ich je gesehen hab in die Hand gedrückt, weil ich mir ein Kinderbuch aus dem Schrankgenommen habe, um es ein bisschen drin rum zublättern. "Das, und das. Jetzt du kannst lernen!" oder so ähnlich.
Also versuch ich heute ein bisschen lettisch zu lernen. Es regnet hier nämlich so stark, dass die ganze Auffahrt überflutet ist. Und das war gestern noch nicht so! Heute stehen aber auch noch keine Pläne an. Erst morgen werden wir dann die Musikschule besuchen und beim Handballtraining der Sportakademie in Riga zu gucken, da ich da vielleicht mitspielen werde. Schulbesuch steht dann Mittwoch an und Donnerstag ist im Kino "Ze diena". Kino für n Appel und Ei, weils das ja so schon nicht ist...
So jetzt hab ich ja doch recht viel geschrieben, herzlichen Glückwunsch, wenn du es bis hier hin ausgehalten hast! Ich les es auf jeden Fall nicht mehr!
Atā un uz redzēšanos!
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