Ich glaub ich habe jetzt seit etwa drei Monaten nichts mehr gebloggt, tut mir nicht wirklich Leid. Es ist nun mal eine Menge passiert und so schnell wird das auch erstmal nicht aufhören. Ich hatte einfach keine Zeit zum schreiben und mein Laptop ist eh fast nie an. Also mal überlegen was so passiert ist. Im März, glaub ich, ja doch :D habe ich noch einmal die Gastfamilie gewechselt. Ich bin jetzt zurück in Riga und mir geht es dort sehr sehr gut :) Zur gleichen Zeit war auch meine Schwester zwei Wochen zu Besuch. Erst war es für mich sehr schwer sie hier irgendwie in mein Leben einzufügen, sie mit meinen Problemen, Gedanken und meinem Alltag zu konfrontieren. Doch dann war es irgendwie doch ganz gut mal den Blick eines Außenstehenden, der zumindest mal einen Eindruck meiner Situation hat, zu bekommen und es war dann doch echt eine tolle Zeit mit ihr :) Nicht so toll bloß, dass du meine volle 8GB Speicherkarte verschludert hast, Schwesterherz, wo doch auch noch meine externe Festplatte vielleicht im Eimer ist und ich dann gar keine Bilder mehr habe :* Am Ende saß ich dann noch über eine Stunde im Flughafen, einfach nicht fähig zurück in die Stadt zu fahren. Im Gegensatz zu den anderen, die am liebsten mit ihrem Besuch zusammen zurück geflogen wären, war ich einfach froh, dass ich Riga jetzt wieder für mich habe, aber mir wurde auch wieder schmerzhaft bewusst, dass die Uhr tickt, die Welt sich dreht, und auch ich bald in den Flieger nach Deutschland steigen muss, dass Deutschland noch genau so sein wird wie ich es verlassen habe, nur anders, und dass Riga nie nie wieder so sein wird, wie ich es im Sommer verlassen werde. Ich wünsche mir schon endlich wieder eine richtige Familie zu haben, aber eigentlich vermisse ich Deutschland kein Stück. Auch die Letten hängen mir eigentlich grade ziemlich zum Hals raus, ich liebe Lettland und die Gastfreundschaft und den besonderen Patriotismus hier, aber die Letten... Die sind schon speziel... Ich möchte die Welt sehen. https://www.youtube.com/watch?v=Rbm6GXllBiw
Am 24.08.2012 werde ich erst in den Flieger nach Frankfurt steigen und von da meine Reise nach Lettland antreten. Für 11 Monate werde ich dort leben und in Riga zur Schule gehen. Hier versuche ich euch immer auf den neusten Stand zu halten ;)
Donnerstag, 11. April 2013
Mittwoch, 13. Februar 2013
Zwischenbericht ;)
Füneinhalb
Monate sind keine lange Zeit. Fünfeinhalb von elf Monaten sind sogar richtig
kurz wenn es schon die Hälfte sein soll, auch wenn es mir nicht gerade vorkommt
als sei die Überraschungsabschlussparty von meinen Freunden, der Abschied von
meiner Familie am Flughafen und unser gemeinsamer erster Schritt der deutschen
Austauschschüler auf lettischem Boden gerade erst gestern gewesen.
Das erste
Foto was ich von Riga gemacht habe war eine Straße über die unzählige
Stromleitungen von einem Haus mit abblätterndem Putz zum nächsten verliefen. Dieser
erste Eindruck von einem ärmlichen und heruntergekommenen Riga hat sich
allerdings ziemlich schnell als ziemlich falsch herausgestellt. Ich hatte mich
darauf gefreut ein Land im Wandel kennen zu lernen, das nach jahrzehntelanger
Besatzung jetzt die Unabhängigkeit genießt, und Lettland verkörpert genau das. Aus
dem Center Rigas sprießen gläserne Hochhäuser, fährt man auch nur ein kleines
Stück weiter raus findet man unzählige Plattenbauten vor. Nach nur ein paar
Wochen war mir die verschlungene Altstadt mit den zahlreichen historischen und jugendstilistischen
Bauwerken kein so großes Rätsel mehr, ich kannte jeden der unzähligen Parks und
viele Cafés mit freiem Wifi in einer eigentlich ziemlich modernen Stadt. Und
wenn ich mit meinen Austauschschülerfreunden zum Lettischunterricht im AFS-Büro
über meine „erste Straße“ gehe, vorbei an der wunderschönen Oper und dem
riesigen Hotel mit Panoramafahrstuhl von wo man die ganze Stadt sehen kann,
möchte ich mit keinem auf der Welt tauschen. Wenn man weiter aufs Land fährt
wird es aber durchaus ärmlicher, häufig gibt es Stromausfall bei schlechtem
Wetter und auch mal ein Plumpsklo statt Toilette. Doch egal wo man hin fährt:
überall erlebt man die Letten als ein sehr fürsorgliches und gastfreundliches
Volk. Anders als in Deutschland lehnt man selbst bei einem kleinen
Zwischenbesuch Kaffee und Kuchen nicht ab sondern langt richtig zu. Die
Gastmutter einer Freundin hat mal, als ich zu Besuch war und wirklich kein
Stück mehr essen konnte, ganz passend gesagt: „Im Prinzip essen die Letten nur
einmal am Tag. Sie fangen morgens an und essen dann bis zum Abend.“ In meiner
zweiten Gastfamilie ist das auch wirklich der Fall! Zum Frühstück gibt es
warmen Grieß oder russischen Haferbrei. Mittags Plov, nachmittags Borsch und
abends dann nochmal alles zusammen mit Gricci. Stets nach jeder Mahlzeit Tee
und ein bisschen Schokolade. Meinen Gastfamilienwechsel habe ich mit ein paar
Tagen vor Weihnachten natürlich in eine super Zeit gelegt. In meiner neuen,
russischen Familie wurde Weihnachten kaum gefeiert und ich war von den ganzen
Wechselstrapazen noch ziemlich mitgenommen. In meiner ersten Familie hatte ich
einfach ziemlich viel Freiraum und da sie ziemlich deutsch war und schon viele
Austauschschüler vor mir aufgenommen hat, war eigentlich gar kein richtiger
Austausch vorhanden. Meine neue Gastfamilie ist das komplette Gegenteil. Mit
Jurmala wohne ich einer neuen Stadt, nicht mehr in einem großen Haus sondern in
einer Plattenbaute. Die Familie ist wie gesagt Russisch und wohnt etwas
klischeehaft auf engstem Raum und mit vielen kleinen Figürchen überall. Jetzt
heißt es für mich wirklich Anpassung: Meine Gastmutter und die 11 jährige
Tochter sprechen zwar auch lettisch, die jüngeren beiden Schwestern jedoch
nicht, oder zumindest kaum und Englisch reden wir gar nicht. Russisch werde ich
jetzt wohl anfangen müssen zu lernen, wobei mein Lettisch selbst auch noch
ziemlich holprig ist. Ich schlafe im Wohnzimmer und habe weder Privatsphäre
noch Rückzugsmöglichkeit. Auch wenn ich mir das alles zu Beginn vielleicht
nicht genau so vorgestellt habe, so ist es jetzt doch Austausch,
Kulturaustausch, und mit Hilfe meiner eigentlichen Familie hier in Lettland,
nämlich meiner AFS-Familie, habe ich den ersten Schock dann doch ganz gut
überstanden. Das Beste am ganzen Jahr ist wirklich, dass man danach Freunde auf
der ganzen Welt für das ganze Leben hat! Ich lerne nicht nur was über Lettland,
über Deutschland sowieso, ich lerne auch viel über Mexiko, die Türkei,
Australien, Belgien, über Russen und Lettland-Russen und so viele andere Länder.
Einmal habe ich mich ein wenig geärgert ausgerechnet nach Lettland gegangen zu
sein, weil die Unterschiede zu Deutschland nicht ganz so groß sind wie zum
Beispiel zu Thailand, China oder Venezuela. Aber mit der Zeit bemerkt man, dass
es gar nicht so entscheidend ist, in welches Land man seinen Austausch macht.
Unterschiede gibt es überall, dort mehr, woanders weniger. Aber sich selbst
tauscht man überall aus: Bei unserem Midstaycamp im Januar kamen zwei neue
Austauschschüler aus Argentinien und Peru und wir haben sie sofort mit offenen
Armen in unserer Gruppe empfangen, wie ich es vorher vielleicht nicht gemacht
hätte. Ich habe festgestellt, dass ich eine wunderbare Familie in Deutschland
und tolle Freunde aus der ganzen Welt habe und wie ich durch schwere Zeiten
kommen kann. Wenn man bei einem Problem überlegt wie man auf eine ähnliche
Situation vor drei, vier Monaten reagiert hätte, dann sieht man , wie stark
einen das Jahr macht, wie man vieles besser einschätzen kann und vieles einfach
anders wahrnimmt. Das meiste davon hat sich wirklich in meinem
Unterbewusstsein, in meinen Grundeinstellungen geändert.
Menschen
sind so unterschiedlich. Wie soll man das groß anders sagen?! Ich lerne die
unterschiedlichsten Arten von Menschen kennen und in welchem Maße eine Kultur
einen Charakter prägt. Die Letten zum Beispiel sind sehr abergläubisch, wegen
ständig wechselnder Besatzungsmacht haben sie sich somit eine Art Religion
geschaffen. Lettland war nie wirklich unabhängig und ist für den Rest der Welt
relativ klein und unbedeutend. Meine Mitschüler sehen ihre Zukunft eher im
Ausland als in Lettland, was sich laut Einheimischer immer in irgendeiner
Kriese befindet und eine furchtbare Politik hat. Nachdem ich einmal in einem
sehr kleinen uhrigen Schwimmbad war, das so aussieht wie eines in dem in den
70er Jahren die Schwimmlegenden der nächsten Jahrzehnte geboren werden, hat mir
der Hausmeister dort seine Geschichte erzählt und wie er nun, nach seiner
Meinung, perspektivenlos in Lettland festsitzt, in Deutschland sei doch alles
besser. Um wirklich was aus ihrem Leben zu machen lernen die Jugendlichen sehr
viel, haben nicht viel Zeit und sind ziemlich schüchtern. Es ist schwer Freunde
zu finden, doch wenn man es erst einmal in das Herz eines Letten geschafft hat,
so hat man den Platz auch sicher.
Fünfeinhalb
Monate sind eine verdammt lange Zeit, wenn ich daran denke, was ich hier schon
alles gemacht und erlebt habe. An die Leute die ich getroffen habe, an meine
Hochs und Tiefs. In mein Tagebuch schreibe ich viel über meine Probleme, aber
auch tolle Erlebnisse. Wenn ich aber einfach mal aufzähle was ich hier gemacht habe, in welchen Städten ich zum
Beispiel schon war, dass ich eine Woche lang mit dem Comenius Programm meiner Schule
unterwegs war, die Exkursionen und Camps mit AFS, ich war in einem Kinderheim,
in einem Ballet, einer Oper, in der deutschen Botschaft, habe mir ein
Handballländerspiel zwischen Lettland und Kroatien angeguckt und nur ein paar
Wochen später mit selbigem lettischen Torwart Feldhockey gespielt, dann
erscheinen mir fünfeinhalb Monate so lang und ich werde ganz aufgeregt, wenn
ich daran denke dass mir nochmal so eine tolle Zeit bevorstehen wird!
Ohne Ihre
Unterstützung würde ich all die tollen Menschen und Orte hier nicht kennen
lernen. Ich würde nicht diese unglaublichen Erfahrungen machen, die mich noch
mein ganzes Leben lang begleiten werden. Vielen, vielen Dank dafür!
Fürchte Dich weniger, hoffe mehr,
iss weniger, kaue mehr,
jammere weniger, liebe mehr,
und alle guten Dinge werden Dein sein!
Montag, 7. Januar 2013
Gastfamilienwechsel
Tut mir Leid wenn sich mein geplanter Post mal wieder verzoegert, aber um euch kurz auf den neusten stand zu bringen: ich habe am 20.12. meine Gastfamilie gewechselt und wohne jetzt in Jurmala, das ist eine halbe Stunde mit dem Zug von Riga und ich gehe weiterhin zur gleichen Schule. Ich wuerde euch ueber das alles gerne mehr erzaehlen, aber die Informatikstunde ist gleich vorbei und in Jurmala habe ich kein Internet. Nur so viel: die letzten zwei Wochen waren sehr hart, und sie sind es auch immer noch. Meine neue Unterkunft ist ziemlich klein und ich schlafe im Wohnzimmer/Flur. Die Familie ist sehr nett, eine Mutter und drei Toechter zwischen acht und elf. Sie sind zwar eine Welcomefamily, aber ich wuerde auch die ganzen naechsten sieben Monate dort bleiben koennen. Ich weiss noch nicht wie das Thema jetzt weiter gehen wird, ob ich bleibe oder noch mal wechsel. So ein Wechsel ist schon verdammt hart und ich habe in den zwei Wochen Weihnachtsferien mehr als einmal ueberlegt nach Hause zu fahren. Was mich hier haellt sind meine wunderbaren Austauschfreunde, meine Afs Familie. Aber dieses Viermonats-Tief ist weit verbreitet und am naechsten Wochenende ist Mid-Stay-Camp, wo wir uns alle wieder neue Kraft holen koennen, hoffentlich.
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